Wer macht den Festzug?

 

Schaut man sich die Treysaer Kirmesfestzüge an, mit ihrem jährlich wechselnden Motto, ihren fantasiereichen Motivwagen, liebevoll im Detail ausgearbeitet und mit Akteuren besetzt, die mit Herz bei der Sache sind, so stellt sich die Frage: Wer macht eigentlich diesen Festzug?

In Ziegenhain ist die Antwort einfach: Das macht, wie die ganze Kirmes, die Stadt. In Treysa macht’s nicht die Stadt. Oder doch? Ja, der Hutzelkirmes- Festzug ist ein Projekt der ganzen Stadt.

 

Wie bekannt, sind die Kirmesburschen verantwortlich für die gesamte Hutzelkirmes von A bis Z, so auch für den Festzug. Auch hier tragen sie das volle finanzielle Risiko. Traditionell gibt es aber eine breite Helferschar, welche große Teile der Arbeit bei der Planung und Ausführung des Festzugs leistet.

 

Die Planer: Der Festzugsausschuss

Der Festzugsausschuss bei der ArbeitFür die Planung und Gestaltung eines Festzugs reicht nicht guter Wille und Einsatzbereitschaft, es gehören unter Anderem auch künstlerische Fähigkeiten, Geschichtskenntnisse und gute Beziehungen ins Schwälmer Land dazu. So haben die Kirmesburschen sich schon bei den ersten Festzügen ab 1954 Unterstützung außerhalb des Vereins gesucht und gefunden. Bis heute existiert der Festzugsausschuss, welcher mit kompetenten Bürgern besetzt ist. Da die Kirmesburschen auch hier die Musik bezahlen, haben sie natürlich Sitz und Stimme. Der Festzugsausschuss legt das Motto fest, schlägt die Motive vor, organisiert die Ausgestaltung, besorgt Kostüme und Requisiten und koordiniert schließlich Aufstellung und Ablauf des Festzuges. Die Mitglieder des Festzugsausschusses arbeiten ehrenamtlich.

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Die Macher: Vereine, Betriebe, Verbände

Im Frühjahr des Jahres, wenn Motto und Motive des neuen Festzugs stehen, lädt der Festzugsausschuss Vertreter der in Treysa ansässigen Vereine, Betriebe und Verbände ein, um die einzelnen Wagen zur Gestaltung zu vergeben. Auch dies war schon beim ersten Festzug so, Hutzelkirmes- Festzüge sind eine Angelegenheit von ganz Treysa. Bei der Übernahme von Motiven wird darauf geachtet, dass „das Ganze ein bisschen zu uns passt“, wie sich einer der Teilnehmer ausdrückte. Bei einem Märchenfestzug wird sich der Schäferhundeverein für „Rotkäppchen“ entscheiden, weil man da einen dressierten Schäferhund wunderbar als Wolf präsentieren kann. „Der Fischer und sin Frau“ ist das Motiv des Angelvereins, und das Karnevalskomitee übernimmt „Cinderella“, wie man da die schönsten Kostüme trägt.

 

Neben den Vereinen der Stadt engagieren sich auch die Behörden, und öffentlichen Einrichtungen, wo insbesondere das Diakoniezentrum Hephata und bis 2006 die Bundeswehr zu nennen sind. Auch die ortsansässigen Betriebe von der Firma Freudenberg bis zum Dachdeckerbetrieb Kämmer sind beteiligt. Schließlich gibt es immer wieder Privatgruppen, welche aus Spaß an der Freud und aus Traditionsbewusstsein einen Wagen gestalten.

 

Die Ausführung: Alle zusammen

Die Vereine und Betriebe gestalten ihre Motivgruppen mit Unterstützung der Kirmesburschen und des Festzugsausschuss. Sie erhalten gegebenenfalls Materialien, Kostüme und Unterstützung beim Bau. Die Kirmesburschen selbst gestalten zu jedem Festzug zwei bis drei Gruppen.

Bereits am Kirmessamstag beginnt der Aufbau der Festwagen, und am Sonntagmorgen ist Hochbetrieb in der Lehmenkaute. Da wird geschmückt, gehämmert und geflucht, wenn etwas nicht passt. Da muss ein Motiv abgeändert werden, weil der Aufbau zu hoch ist und nicht unter den Wimpelketten in der Stadt hindurch passt. Es müssen noch ganz kurzfristig Requisiten besorgt werden, auf dem Weg in die Stadt ist der Storch vom Nest gefallen.

Aber dann steht alles im Aufstellraum, und pünktlich um 14:00 Uhr gibt Martin Sauer das Signal zum Start. Der Zug setzt sich in Bewegung, und es hat sich wieder mal gelohnt, und es macht einen Mordsspaß. Man sieht den beteiligten an, dass sie ihr Motiv verinnerlicht haben. Da gibt es kein langweiliges Posieren auf dem Wagen, da wird die Szene gelebt. Da schwingen die Tänzerinnen im Moulin Rouge die Beine, die Big Spender schwingen die Sektgläser. Die Bayern auf dem Oktoberfestwagen haben nachher Koordinationsschwierigkeiten vom Maßkrugstemmen und Jung Siegfried am nächsten Tag Muskelkater, weil er während des ganzen Festzugs mit seinem Schwert auf den Drachen eingeprügelt hat.

 

 Nach einer Stunde ist alles vorbei. Die Wagen werden abgerüstet, und die mit viel Arbeit und Mühe gebauten Kulissen verschwinden im Müllcontainer. Gemeinsam geht’s ins Festzelt in der Lehmenkaute, wo man bei der Musikparade der Festzugskapellen den trockenen Hals bekämpft. Wie der Festzug war? Können wir nicht sagen, wir haben schließlich nur unseren Wagen und den davor und dahinter gesehen. Aber eine Mordsgaudi war’s!

 

Der Festzugsausschuss macht sich schon mal Gedanken über das Motto fürs nächste Jahr.

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